NABU Gruppe Langen
seit über 50 Jahren für Mensch und Natur
V.i.S.d.P.: Klaus Kreft
NABU
Der Naturschutzbund NABU feierte 1999 seinen hundertsten Geburtstag. Er ist der älteste deutsche Naturschutzverband.
1899 Gründung unter dem Namen “Bund für Vogelschutz (BfV)” durch Lina Hähnle (Vorsitzende bis 1938). Festlegung des “Glücksrezepts” eines besonders niedrigen Jahresbeitrages von 50 Pfennigen für Erwachsene und 10 Pfennigen für Kinder. Erstes betreutes Schutzgebiet ist die Vogelinsel bei Giengen an der Brenz. Mitgliederstand am Jahresende 3500.
1902 Herausgabe des ersten “Jahresheftes” (erschienen bis 1974). Beginn der Kampagnen zur Rettung der Edelreiher und Paradiesvögel, die wegen ihrer prächtigen Federn bejagt wurden (Damenhüte). Mitgliederstand am Jahresende 6100.
1906 Werbeaktion in Adelskreisen. Unter anderem werden Mitglied: die Könige von Schweden, Rumänien und Bulgarien, das württembergische Königspaar und fast alle deutsche Fürsten; 1912 tritt US-Präsident Wilson ebenfalls dem BfV bei.
1908 Kauf des ersten Schutzgebietes, der Nachtigalleninsel im Neckar bei Lauffen. Erster grosser Lobby-Erfolg mit der Novellierung des Reichs-Vogelschutzgesetzes.
1910 Gründung der ersten Landesverbände (Württemberg, Baden, Bayern und Schleswig-Holstein; einzelne Gruppen gab es aber reichsweit). Zum Jahresende 21.900 Mitglieder in 341 Ortsgruppen. Ausrichtung des Ersten Deutschen Vogelschutztages in Berlin.
1911 Gründung der Landesverbände Berlin und Rheinprovinz. Kauf der ersten 74 Hektar Moor- und Wiesenflächen am oberschwäbischen Federsee, heute mit 3000 Hektar, davon rund 1000 Hektar Eigenbesitz, eines der grössten NABU-Schutzgebiete. Einrichtung weiterer Schutzgebiete unter anderem auf Hiddensee und auf der Mellumplatte. Zweiter grosser Lobby-Erfolg mit der Unterschutzstellung aller Paradiesvogelarten in den deutschen Kolonien Neu-Guinea und Samoa.
1912 Eintragung als “e.V.” in das Vereinsregister, damit der Verband z.B. bei Grundstückskäufen als eigenständige juristische Person handeln kann.
1914 Vorläufiger Höchststand mit 41.323 Mitgliedern, danach durch den 1. Weltkrieg leichte Rückgänge.
1920 Gründung der “Zeitschrift für Vogelschutz und andere Gebiete des Naturschutzes” als Organ des BfV (nach zahlreichen Umbenennungen heute als “Naturschutz und Landschaftspflege” herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz).
1924 Rückgang der Mitgliederzahl durch die Wirtschaftskrise auf unter 30.000. Kauf erster Flächen im Wollmatinger Ried (Bodensee). Aussetzung von Schutzprämien für Greifvögel und Biber. Gründung einer Deutschen Sektion des “Internationalen Rates für Vogelschutz (IRV)”, deren grösstes Mitglied der BfV ist.
1925 Beginn langjähriger Versuche zur biologischen Schädlingsbekämpfung im verbandseigenen Biber-Schutzgebiet Steckby an der Elbe.
1928 Beginn des Kampfes gegen die Landschaftszerstörung durch Flurbereinigung. Kauf des Birkwitzer Sees bei Dresden und Pacht der Halbinsel Mettnau am Bodensee, weitere Schutzgebiete unter anderem am Knechtsand und auf der Hamburger Hallig.
1934 Auf Anordnung des Reichsforstministeriums Umbenennung in “Reichsbund für Vogelschutz (RfV)”.
1938 Beginn der Präsidentschaft von Reinhard Wendehorst (bis 1946).
1939 Anschluss aller deutschen Vogelschutzvereine durch Erlass Hermann Görings in den RfV. Mitgliederzahl zum Jahresende: 53.000. Während des Krieges entstehen auch in den besetzten Gebieten RfV-Gruppen und sogar Geschäftsstellen.
1945 Langsamer Wiederaufbau in Westdeutschland unter dem Namen “Bund für Vogelschutz (BfV)”, zuerst noch nach Landesteilen und Besatzungszonen getrennt. In Ostdeutschland gehen die Vogelschutzgruppen schliesslich in den Kulturbund der DDR ein.
1946 Beginn der Präsidentschaft von Hermann Hähnle (bis 1965).
1951 Endgültiger Vollzug des Zusammenschlusses aller (teilweise wie in Berlin erst 1950 von den Besatzungsmächten wieder zugelassenen) westdeutschen Landesgruppen des BfV mit Ausnahme des Landesbundes für Vogelschutzes in Bayern (LBV).
1961 Gründung des Landesverbandes Saar.
1966 Umbenennung in “Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV)” und Umorganisation in einen Dachverband mit den erstarkten Landesverbänden als Mitgliedern. Erklärung des Weissstorches zum Wappenvogel (Zuteilung als “Nationalvogel” durch den Internationalen Rat für Vogelschutz, heute BirdLife International). Beginn der Präsidentschaft von Sebastian Pfeifer (bis 1969), Verlegung der Geschäftsstelle von Giengen an Pfeifers Wohnort Frankfurt. Mitgliederbestand 57.000.
1969 Beginn der Präsidentschaft von Dr. Claus König (bis 1984) Erstmalige Herausgabe der Mitgliederzeitschrift “Wir und die Vögel” (zuerst nur in Baden-Württemberg, ab 1971 bundesweit). Einrichtung einer Geschäftsstelle in Stuttgart, 1973 Einstellung eines Geschäftsführers.
1970 Verstärkung der Jugendarbeit. Wahl Klaus Ruges zum Bundes-jugendleiter. Austritt des Landesverbandes Hamburg aus dem Dachverband.
1971 Kür des Wanderfalken zum ersten “Vogel des Jahres” (zuvor 1970 mit dem Graureiher regionaler Probelauf in Baden-Württemberg). Gründung des “DBV-Verlages”.
1974 Rückumwandlung des Dachverbandes in einen vertikal gegliederten Bundesverband. Verabschiedung des “Stuttgarter Programmes”.
1975 Erwerb des 300 Hektar grossen Teichgutes Wallnau auf Fehmarn, in der Folge Ausbau zum Vogelreservat. Wie vom DBV seit 1908 immer wieder gefordert nun endlich Jagd- und Handelsverbot für Greifvögel, zuerst in Baden-Württemberg, später bundesweit.
1978 Zum 1.1. Wiedereintritt des Landesverbandes Hamburg.
1979 Verabschiedung des “Giessener Programms”.
1980 Kauf von Gut Sunder am Rande der Meissendorfer Teiche, Beginn des Ausbaus zum Naturschutzseminar. Erweiterung des DBV-Verlages um einen Versandservice und die DBV-Tours. Mitgliederbestand zum Jahresende 101.600.
1982 Gründung einer eigenständig arbeitenden “DBV-Jugend”.
1983 Einweihung des Naturschutzseminars Gut Sunder.
1984 Präsidentschaft von Prof. Dr. Berndt Heydemann (bis November), Beginn der Präsidentschaft von Dr. Hans Scholten (bis 1988). Anstieg der Mitgliederzahl auf 125.350.
1985 Umbenennung der Mitgliederzeitschrift von “Wir und die Vögel” in “Naturschutz heute”.
1986 Einrichtung einer Lobby-Geschäftsstelle in Bonn, die in den Folgejahren weitere Aufgaben übernimmt. Erste öffentliche Stellungnahme des DBV gegen die Atomenergienutzung. Mitgründung des alternativen “Verkehrsclub Deutschland (VCD)”. Verabschiedung eines “Berliner Programms”.
1987 Umbenennung der DBV-Jugend in “Naturschutzjugend im DBV”. Verkauf des DBV-Verlages.
1988 Beginn der Präsidentschaft von Klaus Dürkop (bis 1992).
1990 Auflösung der “Gesellschaft für Natur und Umwelt” und Gründung des “Naturschutzbundes der DDR”. Der heutige NABU-Vizepräsident Prof. Dr. Michael Succow setzt innerhalb weniger Monate das DDR-Nationalparkprogramm durch. Umbenennung des DBV in “Naturschutzbund Deutschland (NABU)” und dann Vereinigung mit dem Naturschutzbund der DDR. Nach DDR-Muster Einrichtung einer Fachausschussstruktur zusätzlich zur vertikalen Gliederung. Mitgliederbestand zum Jahresende 138.900.
1992 Beginn der Präsidentschaft von Jochen Flasbarth. Start der erfolgreichen Kampagne zur Aufnahme eines “Staatsziels Umweltschutz” in das Grundgesetz.
1993 Umwandlung des Internationalen Rates für Vogelschutz in “BirdLife International”, alleiniger deutscher Vertreter wird der NABU. Mitgliederstand zum Jahresende 185.100.
1997 Eröffnung des Infozentrums Blumberger Mühle im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das bis Jahresende bereits über 40.000 Besucher zählt. Endgültige Auflösung der Teilgeschäftsstelle Kornwestheim.
1998 Zum Jahresanfang 225.000 Mitglieder, organisiert in rund 2000 Orts- und Jugendgruppen sowie 15 Landesverbänden. Der NABU betreut bundesweit über 5000 Schutzgebiete und unterhält rund 100 Naturschutzzentren. In der Bundesgeschäftsstelle sind 51 Mitarbeiter beschäftigt, weitere rund 300 in Projektstellen und den Untergliederungen. Der Haushalt des Bundesverbandes beläuft sich auf rund 28 Millionen Mark.
1999 100. Geburtstag des NABU, unter anderem mit Festakt am Gründungsort Stuttgart.
Mit freundlicher Genehmigung von: (Text+Bild) © Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) · Krefeld, den 1. Oktober 1999
Verantwortlich für den Inhalt: Klaus Kreft
Letzte Änderung: 17.10.03